Tod von Sir Aaron Kluge

Der Chemiker und Biophysiker Ho erhielt den Nobelpreis fur die Entwicklung der kristallographischen Elektronenmikroskopie.


Aaron Klug schreibt der Wissenschaftlerin Rosalind Franklin zu, ihm gezeigt zu haben, dass „man sich mit langen und schwierigen Problemen auseinandersetzen muss, anstatt clevere Artikel zu veröffentlichen“. Foto: Brian Clark/MRC Labor fur Molekularbiologie
Aaron Klug, einer der mildesten, aufgeschlossensten und kultiviertesten Wissenschaftler, galt einst als Radikaler, der zu gefahrlich war, um in die USA einreisen zu dürfen. Die Verweigerung seines Visums durch das Außenministerium stellte nicht nur sicher, dass er seine Forschungskarriere in Großbritannien fortsetzen würde, sondern bereitete auch die Voraussetzungen fur sein Treffen mit der Röntgenkristallographin Rosalind Franklin, das seine wissenschaftliche Zukunft bestimmen sollte.
Klug, der im Alter von 92 Jahren gestorben ist, erhielt den Nobelpreis fur Chemie fur seinen erfinderischen Ansatz, um zu verstehen, wie sich einige der Schlusselkomponenten des lebenden Korpers zu seinen funktionellen Teilen zusammenfugen. Er war nie ein Schlagzeilenmacher; Seine zuruckhaltende Führung von zwei der fuhrenden wissens chaftlichen Institutionen Großbritanniens, dem Labor fur Molekularbiologie (LMB) des Medical Research Council (MRC) in Cambridge und der Royal Society, fuhrte die Reaktion der wissenschaftlichen Gemeinschaft auf große Umwalzungen wie das Human Genome Project (HGP) an.
Der Streit um die BSE-Krise und gentechnisch veranderte Lebensmittel. Als junger Sudafrikaner mit einem Cambridge PhD stand Klug 1952 kurz davor, eine Stelle in den USA anzutreten. Die sudafrikanische Regierung teilte den US-Behorden mit, dass seine Mitgliedschaft in der Jugendgruppe bedeute, dass er Kommunist sei. Als ihm die Moglichkeit geboten wurde, den Kommunismus "aufzugeben", lehnte er wutend ab, da er sie nie in Anspruch genommen hatte. Ohne bevorstehendes Visum kehrte er nach Großbritannien zurück.
Ab 1954 begann er am Birkbeck College in London mit Franklin an seiner Untersuchung des Tabakmosaikvirus zusammenzuarbeiten. Sie standen vor der enormen Herausforderung, nicht die Struktur eines einzelnen Moleküls aufzuklären, sondern die komplexe Anordnung von Proteinen und Nukleinsauren, aus denen Viruspartikel bestehen.
Franklins herausragendes technisches Geschick bei der Erstellung von Rontgen beugungsbildern, kombiniert mit Klugs tiefem theoretischem Verstandnis der Materie, ermoglichte es ihm schließlich, die allgemeinen Umrisse der Struktur vor Franklins frühem Tod an Krebs im Jahr 1958 zu losen. Er ruhmte sich nicht nur die Einfuhrung. für das Virus, aber er zeige, dass "man sich mit langen und schwierigen Problemen auseinan dersetzen muss, anstatt kluge Papiere zu veroffentlichen".
Klugs Faszination fur Molekule und Anordnungen biologischer Komplexe führte ihn zur Entwicklung neuer Techniken. Solche Anordnungen reichen in der Größe von einzelnen Atomen, die durch Rontgen kristallographie nachweisbar sind, bis zu Strukturen, die groß genug sind, um mit einem Lichtmikroskop gesehen zu werden.
Die Elektronenmikroskopie schließt diese Lücke, erzeugt jedoch zweidimensionale Bilder, die keine detaillierten Strukturinformationen preisgeben. In den 1960er Jahren zeigte Klug am neu gegrundeten LMB, wie sich elektronen mikroskopische Aufnahmen aus verschiedenen Winkeln kombinieren ließen, um eine vollstandige Struktur in 3D zu rekonstruieren. Die Erfinder des Röntgen-CT-Scans haben es später aus ihren Methoden entwickelt.
Er nutzte diese Technik, um die Komplexe von Proteinen und Nukleinsauren in Viren und Chromosomen zu entratseln, die genetische Informationen tragen. Diese Arbeit brachte ihm 1982 als einziger Empfänger den Nobelpreis ein. 1986 wurde er zum dritten Leiter des LMB ernannt, einer Organisation, die bekanntermaßen „Nobel Fellows auf jeder Etage“ hatte. Sie unterstützte insbesondere Kolleginnen und Forscherinnen mit fast schon skrupellos ambitionierten Projekten.
Als der Biologe John Sulston zu zeigen begann, dass es moglich ist, das gesamte Genom eines Nematodenwurms zu sequenzieren, beforderte er ihn zum Leiter einer neuen Abteilung für Genomstudien. Spater verhandelte er mit dem MRC und dem Wellcome Trust fur Sulston, um ein separates Sanger-Zentrum (jetzt das Wellcome Trust Sanger Institute) zu leiten, das nicht nur das Wurmgenom, sondern auch ein Drittel des internationalen Humangenomprojekts erfolgreich abgeschlossen hat.
Klug wurde 1988 zum Ritter geschlagen und 1995 mit dem Bundes verdienstkreuz ausgezeichnet. Im selben Jahr wurde er Präsident der fuhrenden wissenschaftlichen Akademie Großbritanniens, der Royal Society. Unter seiner Aufsicht erstellte er einen maßgeblichen Bericht über die bovine spongiforme Enzephalopathie (BSE) und ihre Ubertragung auf den Menschen.
Es war das erste von vielen, das eine Grundlage fur die offentliche Debatte und die Politikgestaltung bot. Als Reaktion auf die GV-Nahrungsmittelkrise Ende der 90er Jahre raumte ein anderer Bericht ein, dass GV-Technologie nicht eingesetzt werden kann, ohne das Vertrauen der Verbraucher zu gewinnen. Kluge erkannte die Bedeutung des Engagements zwischen Wissenschaftlern und der Offentlichkeit und entwickelte die Ressourcen der Royal Society fur die Arbeit mit den Medien.
Klug wurde in Zelva, Litauen, als zweiter von zwei Söhnen des Viehhirten Lazar und seiner Frau Bela (geb. Silin) ​​in eine jiddischsprachige Familie hineingeboren. Lazar berichtete haufig fur Zeitungen in der Hauptstadt Kaunas. Als Aaron zwei und sein Bruder Benny vier Jahre alt war, zog die Familie nach Durban, Sudafrika, wo Bella Verwandte hatte. Nachdem Bella 1932 starb, nahm ihre Schwester Rose ihren Platz als Mutter der Jungen ein; Mit der Zeit heiratete sie ihren Vater und bekam zwei weitere Kinder.